Bild: Martin Zeller
Ein Beitrag von Jonas Bühler.
Heute werfen wir die schmutzige Wäsche einfach in die Waschmaschine, geben Waschmittel dazu, warten eine Stunde und ziehen dann die frisch gereinigte Wäsche aus der Maschine.
Anfang des letzten Jahrhunderts war das Waschen noch deutlich mühsamer. Die ersten vollautomatischen Waschmaschinen kamen erst nach dem Zweiten Weltkrieg auf. Zuvor hatte es bereits Vorläufermodelle gegeben, bei denen eine Trommel von Hand, mit Wasserkraft oder mit elektrischem Strom angetrieben wurde. Eine solche Trommel mit Wänden aus Holz befand sich lange im Bestand des Oberhauses.

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war Waschen jedoch in erster Linie Handarbeit. Diese Arbeit war anstrengend und aufwendig. Gewaschen wurde nur zwei- bis viermal im Jahr, ein Waschgang konnte dafür gut eine Woche dauern. Wer viel Wäsche hatte, musste weniger oft waschen und konnte sich dadurch viel Aufwand sparen. Auch deshalb waren die Aussteuern wohlhabender Frauen wie jener der Familie Bühler so umfangreich.
Bei einer grossen Wäsche wurden Kleider und Haushalttextilien in Bottiche gelegt und mit kochend heisser Lauge übergossen. Die Hauptzutat dieser Lauge war Buchenasche. Ergänzt wurde sie mit Lavendel, Soda oder Salz. Um 1900 wurde industriell hergestellte Kernseife erschwinglich und ersetzte die alte Waschlauge. Lange hielt der Siegeszug der Kernseife jedoch nicht an: Nach dem Ersten Weltkrieg kam das Waschpulver auf und verdrängte die Seife nach und nach.
Nachdem die Wäsche in den Bottichen mit der Lauge oder Seife eingeweicht worden war, wurde sie in kleinere Behältnisse verteilt, wo sie mit kalten Wasser ausgespült und danach auf Waschbrettern gerieben, geklatscht und ausgewrungen. Danach musste die Wäsche aufgehängt und getrocknet werden, bevor sie gebügelt werden konnte.
Das Waschen war Frauenarbeit. In Dörfern wie Feldbach trafen sich die Frauen des Dorfs an Waschtagen an einem Bach oder Brunnen und erledigten die Wäsche gemeinsam. In wohlhabenden Familien wie der Familie Bühler wurden die Mägde mit dem Waschen beauftragt oder für die Waschtage Frauen aus der Umgebung angestellt.

Die Familie Bühler errichtete im Jahr 1819 unterhalb des Gartens ein Waschhaus. Zuvor wurde wahrscheinlich am Brunnen auf dem Hofplatz gewaschen. Das Waschhaus wurde wohl nicht nur von der Familie Bühler, sondern auch von anderen Familien im Dorf genutzt, die hier gemeinsam Waschtag gemacht haben dürften.
Mit der zunehmenden Mechanisierung und insbesondere dem Aufbau eines Wasserversorgungssystems mit Anschlüssen in den Häusern wurde das Waschen langsam einfacher. Die Wäsche konnte in Maschinen geschleudert werden, und das Wasser musste nicht mehr in grossen Bottichen geschleppt werden, sondern kam direkt aus dem Hahn.
Wann im Oberhaus der erste Wasserhahn installiert wurde, wissen wir nicht. Wir wissen aber, dass in den 1930er-Jahren im ersten Stock ein Badezimmer mit fliessend Wasser eingebaut wurde. Es ist wahrscheinlich, dass gleichzeitig die Wasseranschlüsse in der darunterliegenden Küche und Waschküche installiert wurden.

