Sie waren unsichtbar, aber unverzichtbar

Ein Beitrag von Jonas Bühler.

Im Lauf der Jahrhunderte haben die Besitzerinnen und Besitzer des Oberhauses zahlreiche Spuren hinterlassen, anhand derer wir ihre Geschichten nachvollziehen können. Briefe, Bilder, Kleider und persönliche Gegenstände erzählen vom Alltag der Familie Bühler, die hier gelebt hat.

Doch die Familie Bühler lebte nicht allein auf dem Oberhaushof: Neben den Hausherrschaften wohnten und arbeiteten hier bis weit ins 20. Jahrhundert hinein Mägde, Knechte, Erntehelferinnen und Heuer. Manche ein Berufsleben lang, andere nur für wenige Tage oder Wochen.

Leider sind von all diesen Angestellten nur wenige Spuren erhalten geblieben. Was wir über sie wissen, wissen wir vor allem aus den Rechnungsbüchern, die die Familie Bühler geführt hat. Hier sind die Bediensteten namentlich aufgeführt, zusammen mit Eintritts- und Austrittsdatum und dem erhaltenen Lohn. Die meisten von ihnen stammten aus der Umgebung, dem Zürcher Oberland oder der March auf der anderen Seite des Zürichsees. Ihr Lohn bestand nur zum Teil aus Geldbeträgen, zu einem anderen Teil aus Naturalleistungen in Form von Tuchwaren, Kleidern und Lebensmitteln.

Schwarz-weiss-Fotografie der Magd Ruth Oesch beim Füttern der Hühner
Die Magd Ruth Oesch beim Füttern der Hühner.

Auch wenn sie fast unsichtbar bleiben, sind die Angestellten für den Betrieb des Hofs lange unverzichtbar. Die Hausherrin hat in der Regel zwei Mägde zur Seite, um den Haushalt zu meistern. Diese putzen, kochen, kümmern sich um den Garten und das Haltbarmachen der Vorräte. Für Waschtage oder Näharbeiten werden weitere Frauen tageweise eingestellt. Mitunter wird auch ein Kindermädchen angestellt, das sich um die Erziehung der Kinder zu kümmern hat.

Daneben beschäftigt der Hof Knechte, Ernte- und Heuhelfer in der Landwirtschaft. Die Knechte werden in der Regel für ein Jahr angestellt beziehungsweise «gedingt», die Ernte- und Heuhelfer werden saisonal beigezogen, zum Beispiel für die Weinlese im Herbst.

Die Mägde sind auf demselben Stockwerk wie die Familie Bühler untergebracht, in einem Zimmer, das gegen die ehemalige Mühle blickt. Die Knechte und die saisonalen Helfer übernachten in zwei Kammern ein Stockwerk weiter oben, im Windengeschoss. Diese als «Knechtenkammer» und «Heuerkammer» bezeichneten Räume werden nur durch die durchlaufenden Kamine etwas erwärmt, sind aber ab 1907 immerhin mit elektrischem Licht ausgerüstet – als einzige in den Windengeschossen.

Schwarz-weiss-Fotografie von Kurt Rindlisbacher und Knecht Giuseppe beim Heu einfahren
Kurt Rindlisbacher, der die Landwirtschaft später als Pächter übernimmt, und Knecht Giuseppe bringen das Heu ein.

Zu Spitzenzeiten im 18. und 19. Jahrhundert sind über ein Dutzend Leute auf dem Oberhaushof angestellt. Mit der zunehmenden Mechanisierung der Landwirtschaft und des Haushalts wird der Bedarf an helfenden Händen jedoch stets kleiner. Zudem reichen nach dem Zweiten Weltkrieg die finanziellen Mittel kaum mehr, um sich Bedienstete zu leisten. Hedwig und Albert Bühler-Boller beschäftigen in den 50er-Jahren noch eine Magd, Rosmarie und Albert Bühler-Wildberger, die den Hof im Jahr 1960 übernehmen, verzichten auf Hausangestellte. In der Landwirtschaft wird Albert noch von zwei Mitarbeitern unterstützt, bald verpachtet er den Betrieb jedoch an den ehemaligen Knecht Kurt Rindlisbacher.

An die unzähligen Knechte, Mägde und anderen Bediensteten, die auf dem Oberhaushof gelebt und gearbeitet haben, erinnern heute nur noch ein paar Aufzeichnungen und einzelne Fotografien. Doch auch die Angestellten sind Teil der Geschichte dieses Hofs, dessen Betrieb ohne sie niemals möglich gewesen wäre.

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