Wo einst Füchse geschossen und Hechte gefangen wurden

Eines der Bilder, die der Maler Viktor Wildhaber für das Buch «Stilles Ufer» von Albert Bühler-Boller gezeichnet hat.

Ein Beitrag von Jonas Bühler.

Der Herbst ist die Zeit der Jagd. Im letzten Jahrhundert wurde auch auf dem Oberhaushof und im kleinen Waldstück unten am See noch gejagt, und am Seeufer unterhalb des Hofs wurden Forellen, Egli und Hechte gefangen.

Jagd und Fischerei waren auf dem Oberhaushof über Jahrhunderte Normalität, aber besonders eifrig ging diesen Beschäftigungen Albert Bühler-Boller nach, der den Hof von 1917 bis 1960 führte. Er pachtete neben dem Jagdrevier rund um den Oberhaushof gemeinsam mit anderen Jägern ein Revier in Stäfa, wo er Rehe, Füchse und Wildschweine schoss. Fische fing er in Reusen, die er im Schilf am Seeufer oder dem kleinen Bach platzierte, der am östlichen Ende des Grundstücks in den See mündet.

ein hölzerner Trog mit vertikal angeschraubten Flaschen, deren Öffnung gegen unten in den Trog zeigt
Der Bruttrog der Fischzucht von Albert Bühler-Boller.

Im Jahr 1929 richtete Albert Bühler-Boller im ehemaligen Waschhaus eine Brutanstalt für Fische ein. Die erste Brut, die er aufzog, stammte von Laichhechten, die er unten am See gefangen hatte. Einen Teil der Fische verkaufte er, den Rest bestimmte er für den Eigengebrauch. Seiner Frau Hedwig zeigte er jeweils am Morgen, welchen der Fische im Trog sie für das Mittagessen zubereiten solle.

Albert Bühler-Boller war ein geschickter Fischer und ein hervorragender Schütze. Er beherrschte nicht nur das Schiessen mit der Ordonnanzwaffe, die er als Hauptmann besass, sondern auch mit dem Jagdgewehr. Damit schoss er nicht nur Rehe und Wildschweine, sondern auch Vögel: Neben Enten und Raben durfte er auch «Fischräubervögel» wie Kormorane und Fischreiher jagen.

ein Möbel mit diversen ausgestopften Vögeln in einem Verschlag, der mit «Taubenschlag» beschriftet ist
Die ausgestopften Tiere residieren heute im ehemaligen Taubenschlag.

Die erlegten Tiere waren nicht alle zum Verzehr gedacht. Einige besonders schöne Exemplare liess Albert Bühler-Boller ausstopfen und stellte sie als Trophäen im Oberhaus aus. Neben Hase, Fuchs und Ente finden sich hier auch ein Eisvogel, ein Eichhörnchen und ein Dachskopf.

Albert Bühler-Boller führte detailliert Buch über seine Jagd- und Fisch-Erfolge. Auch in seinen Memoiren, die er 1938 unter dem Titel «Stilles Ufer» veröffentlichte, nehmen Jagd und Fischfang viel Platz ein. Zumindest teilweise haben wir es auch seiner Liebe fürs Jagen und Fischen zu verdanken, dass das Seeufer unterhalb des Oberhaushofs heute ein Naturschutzgebiet ist. Albert Bühler-Boller wehrte sich zeitlebens dagegen, dass dieses Ufer überbaut wird, um die hier lebenden Tiere und Pflanzen zu bewahren.

Heute werden auf dem Oberhaushof keine Tiere mehr gezüchtet oder geschossen. Der Bruttrog der Fischzucht steht in der Trotte zwischen dem landwirtschaftlichen Gerät, die ausgestopften Tiere haben im ehemaligen Taubenschlag in der Oberwinde eine neue Heimat gefunden. Der Fuchs, der sich unten am Seeufer herumtreibt, muss weder befürchten, dass er geschossen wird, noch dass ihm jemand die Fische streitig macht, die er im Bach fängt.

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