Bild: Martin Zeller
Ein Beitrag von Jonas Bühler.
Die Landbevölkerung hatte im Kanton Zürich politisch lange nichts zu sagen. Zur Zeit des Ancien Régime (bis 1798) entsandten die Ratsherren der Stadt Zürich Vögte in die Landschaft, die hier die politische Macht ausübten. Die Landbevölkerung durfte keine politischen Ämter bekleiden und auch niemanden in ein politisches Amt wählen.
Die Männer durften jedoch Amtsfunktionen als Untervogt oder Seckelmeister einnehmen. Zudem stand ihnen eine militärische Karriere offen – allerdings nur bis zum Grad des Hauptmanns. Höhere Offiziersränge blieben den Stadtbürgern vorbehalten.
In der Familie Bühler, die zur ländlichen Oberschicht gehörte, nahm man jede Möglichkeit wahr, ein offizielles Amt zu bekleiden. Einige Männer dienten als Seckelmeister, mehrere wurden Hauptmann. Das lag auch daran, dass sich Feldbach an einer strategisch wichtigen Lage befand: Auf der anderen Seite der Bucht lag Rapperswil, das zum katholischen St. Gallen gehörte, mit dem die reformierten Zürcher mehrere Konflikte austrugen. Die Familie Bühler hatte vom Oberhaushof direkte Sicht auf die Türme des Schlosses Rapperswil. Wohl deshalb stand in der Regel ein Bühler der lokalen Landmiliz vor.
Als die französischen Truppen 1798 in die Schweiz einmarschierten und eine neue Ordnung ausriefen, wurden der Landbevölkerung erste politische Rechte zugestanden, und mit dem liberalen Umsturz im Jahr 1830 wurde sie der Stadtbevölkerung endgültig gleichgestellt. Damit konnten die männlichen Landbewohner fortan ihre politischen Vertreter wählen und sich auch selbst in ein politisches Amt wählen lassen. Frauen blieben derweil in der Stadt wie auf dem Land ohne Mitspracherecht.

Von den neu gewonnen Freiheiten machte insbesondere Albert Bühler-Reichling Gebrauch. Der 1853 – acht Jahre nach der Gründung des Schweizer Bundesstaats – geborene Landwirt amtete zunächst im Gemeinderat, wo er für den Bau des Schulhauses oberhalb des heutigen Bahnhofs zuständig war. Von 1891 bis 1896 und von 1898 bis 1911 sass er im Kantonsrat. Dort engagierte er sich als Bauer und Viehzüchter vor allem für die Anliegen der Landwirtschaft.

Als 1894 die Bahn nach Feldbach kam, war Albert Bühler-Reichling Teil des Festkomitees, das die Eröffnungsfeier organisierte. Vom Bahnanschluss profitierte er als Kantonsrat ganz direkt: Zuvor war er jeweils zu Fuss an die Ratssitzungen nach Zürich gewandert, nun kaufte er sich ein Abonnement der Nordostbahn.
Später war er Verwaltungsrat der Uerikon-Bauma-Bahn. Auch beim 1902 gegründeten Elektrizitätswerk Rapperswil-Jona sass er im Verwaltungsrat. Hier sorgte er dafür, dass das Oberhaus – gemeinsam mit dem von ihm geplanten Schulhaus – das erste Gebäude in Feldbach war, das einen Stromanschluss erhielt. Daneben war er Kommandant der freiwilligen Feuerwehr von Hombrechtikon, Mitgründer des örtlichen Standschiessvereins und engagiertes SAC-Mitglied.
Seine Frau Bertha Bühler-Reichling hatte nicht dieselben Möglichkeiten, sich einzubringen. Doch auch sie zeigte gesellschaftliches Engagement, wo dies für sie möglich war. So war sie Kommissionsmitglied des freiwilligen Armenvereins von Hombrechtikon und der Arbeitsschule von Feldbach. Als Mitglied der Arbeitsschule setzte sie sich für die Ausbildung von Mädchen ein, was ihr ein gewisses öffentliches Ansehen verschaffte. Auch wenn sie rechtlich gesehen keine politische Mitsprache hatte, konnte sie so dennoch Einfluss ausüben.
Heute bekleidet kein Mitglied der Familie Bühler mehr ein politisches Amt, und der letzte Hauptmann in der Familie starb im Jahr 1961. Doch der frühere Einfluss der Familie Bühler bleibt in Feldbach sichtbar – ob am Schulhaus, der Bahnlinie oder dem alten Grenzwärterhäuschen an der Strasse gegen Rapperswil.

