Den Strom nach Feldbach geholt
Die in der Stadt lebenden Verwandten sahen mitunter leicht abschätzig auf die Bewohner des Oberhaushofs hinunter, die als Bauern in Feldbach nichts von den Geschehnissen in der Welt mitbekämen. Dieser Eindruck stimmte jedoch überhaupt nicht. Die Oberhausbauern zeigten stets ein reges Interesse an den politischen, gesellschaftlichen und technologischen Entwicklungen ihrer Zeit.
Das Buch (8): Bertha Bühlers Filmrollen
Wir sind am Schreiben. Dabei müssen wir auch Pausen einlegen und gehen dann durch die Zimmer im Oberhaus. In der Eckkammer bleiben wir vor der Glasvitirine mit den alten Kameras stehen. Die eine Balgkamera stammt von Anna Boller vom Bollergut und wurde auch von ihrem Vater Adolf um 1900 benutzt. Daneben die elegante und handliche Rollfimkamera der Marke Contessa-Nettel, Modell Piccolette, mit der Bertha Bühler bis Mitte der 1960er Jahre fotografierte.
Kaffee aus Wegwarten-Wurzeln
Im Bestand des Oberhauses befinden sich einige kuriose Küchengeräte. Eines davon ist die sogenannte «Wägluegere-Schnätzli», eine Schneidemaschine für die Wurzeln der Wegwarte, auch bekannt unter dem Namen Zichorie oder Chicorée. Das Gerät steht auf dem Tisch in der ehemaligen Wäschekammer, wo meine Grosseltern die im Haus gefundene Kücheneinrichtung versammelt haben.
Himmlisch schlafen im Himmelbett von 1730
Schon bald kehrt wieder Leben ins Oberhaus ein – im Frühling eröffnet das B&B Oberhaushof. Die Gäste übernachten bei uns in historischen Räumen, die teilweise mit alten Möbeln aus dem Haus, teilweise mit modernen Möbeln eingerichtet sind. Zwei ganz besondere Schmuckstücke sind die Himmelbetten von 1730 und 1734, die wir für unsere Gäste hergerichtet haben.
Hedis Linde
Vor beinah hundert Jahren, am 5. Januar 1921, kam die zweite Tochter des Hauptmanns Albert Bühler und seiner Frau Hedwig Bühler-Boller zur Welt. Sie bekam den Namen Hedwig nach ihrer Mutter, genannt wurde sie jedoch – wie die Mutter – einfach Hedi.
Das Buch (7): «Räumung & Auszug aus dem Oberhaus»
Forschen und Recherchieren ist eine sehr zielgerichtete Arbeit und erfordert ein fokussiertes Vorgehen, um sich nicht in den Bergen von Quellen und der Flut von Informationen zu verlieren. Dabei hat aber auch immer der Zufall seine Hand im Spiel, dass plötzlich das Auge an einer Überschrift, einem Satz, einem einzelnen Wort hängen bleibt oder einem etwas in die Finger kommt, wonach man nicht gesucht hat. So sind wir auf ein Bündel herausgerissener Seiten aus einem Kassabuch gestossen, überschrieben mit «Räumung & Auszug aus dem Oberhaus». Sofort erkennen wir die spitze Handschrift von Hedwig Bühler-Boller, der Schwiegermutter von Rosmarie Bühler-Wildberger.
Wie Feldbach zu seinem Bahnanschluss kam
Ende des letzten Jahrtausends schrieb mein Grossvater Albert Bühler für das Zürcher Taschenbuch einen Artikel mit dem Titel «100 Jahre rechtsufrige Zürichseebahn». Darin erzählte er die bewegte Geschichte vom Bau der Bahnlinie, die Feldbach seit 1894 mit Zürich verbindet. Seine Erzählung zeigt: Es hätte auch alles anders kommen können.
Frisch ab Quelle
In einer Vitrine im sogenannten «Säli» im ersten Stock des Oberhauses liegt eine Skizze des Dorfs Feldbach um das Jahr 1800. Neben Gebäuden und Wegen sind darauf die privaten Wasserleitungen verzeichnet, die das Dorf mit frischem Quellwasser versorgten. Unten rechts auf der Skizze ist eine Legende angebracht: Hier steht, wer wie viel Anteil an dem Wasser hatte, das die Feldbacher bei einer Quelle oberhalb des heutigen Schulhauses angezapft hatten.
Das Bootshaus des Albert Bühler
Der Oberhaushof liegt direkt am Zürichsee - mit Blick über die Bucht bis zum Schloss Rapperswil. Das dazugehörige Landwirtschaftsland reicht bis zum Ried. Ein schmaler Holzsteg führt durch den Schilfgürtel zum vermeintlich alten, bescheidenen Bootshaus mit der vergrauten Holzverschalung über einem schlichten Betonsockel.
Kunstausstellung auf dem Hof
In den vergangenen eineinhalb Jahren konnte ich das Waschhaus auf dem Oberhaushof als Atelier zwischennutzen. Der Höhepunkt meiner Zeit auf dem Oberhaushof war die Austellung «In the Tall Grass», die ich letzten Herbst für befreundete Künstlerinnen und Künstler organisierte.
Das Buch (6): Der Barenberg – barocke Pracht von unwahrscheinlicher Grösse
Kaum ein Gebäude zeugt gleichermassen vom ehemaligen Reichtum der Familie Bühler von Feldbach wie der 1707 erbaute Barenberg in der Gemeinde Bubikon: im Stil der Weinbauhäuser des Zürichsees, ähnlich dem rund drei Jahrzehnte später erstellten Oberhaus, aber um einiges grösser noch. Vom kleinen Egelsee kommend sticht uns der Prachtbau mit der grossen, gemalten Sonnenuhr ins Auge.
Das Buch (5): Bollergut Hinteregg – Mühle Stäfa – Hueb ausserhalb Wald
n den Briefen und Rechnungsbüchern tauchen da und dort die Namen Bollergut und Mühle Stäfa sowie andere Häuser auf, die einen Zusammenhang mit der Geschichte der Familie Bühler aufweisen. Um einen Augenschein zu nehmen, fahren wir dorthin: Das Bollergut in Hinteregg auf der Forch ist das Elternhaus von Hedwig Bühler-Boller (1893–1989), der Frau des Hauptmanns.
Das Buch (4): Die Recherchen im Fundus der Dokumente
Begonnen haben wir unsere Recherchen mit der Sichtung und Auswertung der vielen Dokumente. Sie befinden sich an ganz verschiedenen Orten des Hauses. So liegen in einer Schublade im Salon Rechnungsbücher aus dem 17. bis 19. Jahrhundert, in den beiden Kästen links und rechts der Balkontüre Fotografien, Briefe, Pässe, Ansichtskarten, Heiratsanzeigen, Pläne von Scheunen, Brunnen, Strassen- und Eisenbahntrassees, Werbematerialien von der Viehzucht bis zu Kurhäusern aus halb Europa, und vieles, vieles mehr.
Kunst am Bauplan
Neben dem Oberhaus selbst befinden sich auf dem Oberhaushof verschiedene weitere Gebäude. Eines davon ist die Scheune aus dem Jahr 1893. Im Erdgeschoss, wo früher Kühe gehalten wurden, hat heute die Getreidezüchtung Peter Kunz ihr Labor. Der alte Heuboden ist als Lager vermietet.
Der Stammbaum der Familie Bühler
In einem stattlich eingerichteten Zimmer im ersten Stock des Oberhauses – dem sogenannten Säli – hängt der Stammbaum der Familie Bühler. Er reicht von Hans Büler und Elsa Roth, die irgendwann im 15. Jahrhundert gelebt haben, bis zur Generation meiner Urgrosseltern Albert und Bertha Bühler.
